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Der desolate Zustand der Bundeswehr


Der Vertrauliche Schweizer Brief berichtet:

Deutschland war für die NATO bisher der europäische Fels in der Brandung für das gesamte Bündnis. Das war über Jahrzehnte und in vielen bewegten Momenten des Kalten Krieges und danach der Fall. Doch jetzt scheint dieses Bild der Stärke zu bröckeln. In Berlin und im NATO-Quartier in Brüssel ist es ein Dauerbrenner: Die deutsche Bundeswehr hat nicht nur ihre einstige Stärke eingebüßt; sie ist in einen desolaten Zustand abgerutscht.

Immer offensichtlicher wurde es mit den Bundeswehreinsätzen in Afghanistan und in anderen Teilen der Welt wie zum Beispiel in Afrika. Sogar die sehr bundeswehr-freundliche „Die Zeit“ zeigte es schonungslos auf: Der Bundeswehr werden sogar die Unterhosen knapp. Dazu die Panzer und Flugzeuge auch…

Hier zur Einspielung ein paar nackte Zahlen, die mehr als nachdenklich stimmen:
  • Von den 93 Tornados sind gerade mal 26 einsatzbereit. Und eine Besserung ist nicht in Sicht.
  • Noch trauriger sieht es bei den Hubschraubern aus: Gerade mal 13 Maschinen der NH90 als Rückgrat gedachten Großhubschrauber ist flugfähig (!).
  • Von den vielgelobten 382 „Marder“-Schützenpanzern schaffen es gerade mal 212 aus den Wartungshallen raus ins Feld! Und dort sind sie noch lange nicht gefechtsmäßig einsatzbereit.
  • Ein interner Bericht stellt trocken fest: „Ein Großteil der deutschen Armee-Unterhosen ist nicht einsatzbereit.“ Was immer das heißt, aber eine Armee ohne Unterhosen scheint nicht von einer großen Kampfbereitschaft zu zeugen…
Der Bundeswehr mangelt es aber nicht nur an wärmenden Unterhosen: „…sondern an Technik und schwerem Gerät. An Laserlichtmodulen und Schnittstellenrechnern, an Kampfpanzern, Fregatten und Flugzeugen.“
Im Sommer 2014 machen Versorgungslücken der Bundeswehr erstmals Schlagzeilen. Mal geht es um den Airbus A400M, eine nach jahrelanger Verzögerung endlich fertiggestellte Transportmaschine, die den ersten Testflug nicht überlebte und abstürzte. Dann wieder fehlen Zelte, Schutzwesten oder Nachtsichtgeräte.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erklärte die Ausrüstung des Soldaten zur Chefsache. Eine Top-Managerin der Unternehmensberatung McKinsey wurde ins Ministerium geholt. Sie sollte die Probleme professionell lösen. Sie ist schon wieder weg, die Probleme sind geblieben, ja haben sich weiter vergrößert!

Inzwischen funktioniert nur noch jeder 5. (!) Transporthubschrauber. Und die größte Blamage: Die sechs Unterseeboote der deutschen Marine sind allesamt (!) entweder „kaputt“ oder sie werden gerade (endlos) gewartet!

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, der SPD-Politiker Hans-Peter Bartels, redet in seinem jüngsten Bericht von einer „Ausrüstungsmisere in allen (!) Teilen der Truppe“. Und noch deutlicher sein Fazit: „Die Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme (!) ist in vielen Bereichen dramatisch (!) niedrig“…

Ursula von der Leyen hat gefordert, den Etat für die Bundeswehr in den kommenden Jahren deutlich aufzustocken. Und gleich angekündigt, für beinahe eine halbe Milliarde Euro neue Hubschrauber, Raketenwerfer und andere Rüstungstechnik zu kaufen.

Nur zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit, es dauert meist (viel) länger als verabredet, bis das Gerät geliefert wird und einsatzbereit ist. Und last but not least kostet es schlussendlich immer (viel) mehr, als budgetiert war. Bei größeren Bestellungen, etwa bei Panzern oder schweren Waffen, kann das Aufsetzen der Kaufverträge alleine bis zu drei Jahre (!) dauern, die Beschaffungs-Bürokratie feiert wahre Orgien. Und bis ein Flugzeug oder ein Schiff schlussendlich der Truppe geliefert wird, vergeht oft mehr als ein Jahrzehnt…

Warum ist Deutschland, immerhin weltweit die viertgrößte Volkswirtschaft, nicht in der Lage, die eigene Armee vernünftig auszustatten? 9.000 Leute arbeiten bei der Beschaffungsstelle der Bundeswehr, der BAAINBw. Der zungenbrechende Name steht für Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik undNutzung der Bundeswehr. Sie ist die Einkaufsabteilung der Bundeswehr. Das BAAINBw untersteht dem Verteidigungsministerium in Berlin. Dort hat kaum jemand ein gutes Wort für die Beamten in Koblenz übrig. „Ein träger, unflexibler Beamtenstaat“ ist noch das anständigste „Kompliment“…

Auslandseinsätze der Bundeswehr sind für viele ein Horror. Einen ihrer gefährlichsten Einsätze hat die Bundeswehr zurzeit in Mali. Sie soll dort islamistische Terroristen bekämpfen. Neulich fiel dort bei einem Panzerspähwagen vom Typ „Fennek“ ein Radgetriebe aus. Allein bis die Nachricht, dass ein neues benötigt wird, Koblenz erreichte, vergingen mehr als vier Wochen! Nach endlosem Suchen half schließlich
die niederländische Armee aus, die per Zufall von der erfolglosen Suche gehört hatte. So verstrichen über vier Monate, bis der Panzerspähwagen endlich repariert werden konnte…

Das Hin und Her zwischen klassischer Landesverteidigung und weltweiter Krisenbekämpfung ist Ausweis strategischer Orientierungslosigkeit. Die Bundeswehr soll beides können, die Heimat notfalls verteidigen und internationale Krisen eindämmen, ist aber weder für das eine noch für das andere optimal ausgerüstet oder bestmöglich trainiert.

Als der Eiserne Vorhang fiel, verlor die Bundeswehr, die einst an vorderster Front stand, um den Westen gegen die Sowjets zu verteidigen, plötzlich an Bedeutung. Das Geld wurde in Kindergärten und Hochschulen gesteckt, nicht mehr in Waffen und Panzer. Kasernen wurden geschlossen, schließlich wurde sogar die Wehrpflicht abgeschafft. Die Bundeswehr war auf dem Höhepunkt der Ost-West-Konfrontation 500.000 Mann stark, sie schrumpfte in mehreren Schritten auf heute rund 185.000 Soldaten.

Im Jahr 1980 belief sich der Anteil der Verteidigungsausgaben am Bundeshaushalt noch auf 18,2 Prozent, heute sind es gerade einmal 9,5 Prozent. Wenn jetzt also wieder etwas mehr Geld fließt, dann macht das die Einsparungen der Vergangenheit noch lange nicht wett. Ob damit die Ausrüstungsbeschaffung schneller durchgezogen wird, bezweifeln immer mehr besonnene deutsche Bürger. Wenn bei der Planung, dem Kauf und der Indienststellung eines „Boxer“ (gepanzertes Transportfahrzeug) 28 Jahre vergehen (in Worten: achtundzwanzig Jahre), dann ist es auch einem neutralen Beobachter klar, dass die Bundeswehr weiterhin mehr als nur ein Problem hat…
Quelle: VSB 1538 vom 08.05.18
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