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Das verdienen Schiedrichter

Die üppigen Gehälter von Fußballern sind ein Dauerthema in den Medien. Bei mir hier in England verdienen viele Stars um die 100.000 Pfund (ca. 120.000 Euro) – in der Woche...

Kein Fußballspiel wäre ohne Schiedsrichter möglich. Hier sieht die Sache etwas anders aus, ist aber immer noch interessant genug, so dass auch jemand, der kein Talent hat, den Ball zu treten und zu köpfen, doch noch gut von diesem Spiel leben kann.

Nicht nur bei Fußballklubs gibt es Auf- und Abstiege, sondern auch bei Schiedsrichtern. Nur die besten kommen in die Bundesliga. Aber fangen wir unten an:

Zum Schiedsrichter wird man nicht geboren oder gewählt, als Schiedsrichter muss man sich bewähren und hochdienen. Das fängt im Jugendbereich ein, wo man relativ leicht erste Erfahrungen sammeln kann. Wer mit einem Taschengeld und einem Freiessen im Vereinslokal zufrieden ist, betreibt diese Tätigkeit aus Enthusiasmus. Der jeweilige Verein, bei dem das Spiel stattfindet, ist für die Entlohnung zuständig, wobei die Höhe je nach Regionalverband etwas variiert. Bei erwachsenenen Amateuren bekommt man ca. 20 Euro pro Spiel, in der Oberliga ca. 50 Euro, Assistenten die Hälfte. Reisekosten werden extra erstattet.

Die Ehrgeizigeren nehmen an Lehrgängen teil und lassen sich ausbilden, um auch in höheren Klassen eingesetzt zu werden, wo ab den Regionalligen (vierthöchste Klasse) nach festen Tarifen bezahlt wird.

Ab 3. Bundesliga beginnt es lukrativ zu werden, allerdings nimmt auch der Leistungsdruck zu, denn nun werden die Unparteiischen vom Verband ständig beobachtet und bewertet. Das Honorar liegt hier bei 750 Euro pro Spiel. Ist man gut, wird man in der 2. Bundesliga eingesetzt und verdient schon 2.000 Euro, wer noch besser ist, darf in der 1. Bundesliga pfeifen und erhält 3.800 Euro plus 500 Euro vom Sponsor DEKRA (Schiedsrichterassistenten jeweils die Hälfte). Seit ein paar Jahren gibt es zusätzlich einen 4. Offiziellen in der 1.Liga, der ein Viertel der genannten Beträge bekommt.

Ein guter Referee kann somit bei 4-6 Spielen auf bis zu 20.000 Euro und mehr kommen (alle Honorare ab Regionalliga aufwärts müssen versteuert werden).

Ab der Saison 2012/2013 bekommen die Schiedsrichter und die Schiedsrtichter-Assistenten eine zusätzliche wirtschaftliche Grundabsicherung, die unabhängig von Spieleinsätzen bezahlt wird, um ein Einkommen auch bei Verletzung und Krankheit zu gewährleisten. Zum Profi-Schiri ist es nun nicht mehr weit: Die Grundabsicherung in Zahlen:

  • FIFA-Schiedsrichter: 40.000 Euro (ab Saison 2013/2014: 60.000 Euro, bis 2016/2017 sogar 75.000 Euro)
  • Schiedrichter der 1. Bundesliga mit mehr als 5 Jahren Erfahrung: 30.000 Euro (ab Saison 2013/2014: 50.000 Euro, bis 2016/2017 bis 65.000 Euro)
  • Alle anderen Schiedsrichter der 1. Bundesliga: 20.000 Euro (ab Saison 2013/2014: 40.000 Euro, bis 2016/2017 bis 55.000 Euro)
  • Schiedsrichter der 2. Bundesliga: 15.000 Euro (ab Saison 2013/2014: 25.000 Euro, bis 2016/2017 bis 35.000 Euro)
  • FIFA-Assistenten: 15.000 Euro
    Assistenten in der 1. Bundesliga: 10.000 Euro
    Assistenten in der 2. Bundesliga: 2.500 Euro

Wie liegt Deutschland damit im internationalen Vergleich? Wie die Fußballer, also mit an der Spitze und wird nur von Italien übertroffen. Dort bekommen die Erstliga-Schiris über 5.000 Euro pro Spiel plus 15.000 bis 30.000 Euro Einmalzahlung pro Saison. Ansonsten zahlt bis auf Frankreich und Spanien kein Verband über 1.000 Euro in der 1. Liga. Am schlechtesten sieht’s übrigens in Aserbeidschan aus: rund 20 Euro...

Noch mehr Geld fließt bei internationalen Turnieren: Europameisterschaft 6.600 Euro pro Spiel, FIFA World Cup 40.000 USD pauschal (Assistenten wieder die Hälfte).

Seit ein paar Jahren denkt man laut darüber nach, den Beruf des Profischiedsrichters einzuführen. Ob es das in Deutschland geben wird, ist noch völlig unklar, der DFB sperrt sich im Augenblick dagegen, will aber die Honorar- und Einstufungssysteme weiter optimieren (z.B. durch eine Grundabsicherung auch ohne Spiele bei Unfall und Krankheit, plus Zulagen).

Die UEFA teilt ihre für internationale Spiele zugelassenen Schiedsrichter in Leistungsklassen ein und honoriert dementsprechend.

Tipp:
Wer das Pfeifen zum (Neben-)Beruf machen will, sollte so früh wie möglich damit anfangen, denn es gibt eine Faustregel, die besagt, dass man es kaum bis in die 1. Bundesliga schafft, wenn man im Alter von 25 Jahren nicht schon Regionalligaspiele geleitet hat.


© Copyright: Roland Benn



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