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Vorsicht Minikredit

Wieder kommt aus dem angelsächsischen Raum ein Finanzangebot: der Minikredit. Was versteht man darunter und ist da ein Haken dabei?

Fast täglich kann man in England die Werbespots von zwei Kurzkredit-Anbietern im Fernsehen sehen: von QuickQuid und von Wonga, wobei letzterer sogar eine sehr beliebte Kochsendung sponsert.

Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann man innerhalb von 10 Minuten nach Antragsgenehmigung bis zu 1.500 britische Pfund direkt aufs Konto bekommen.

Kein Wunder, dass sich die britischen Anbieter sogar teure Fernsehwerbung leisten können, schließlich beträgt bei QuickQuid der effektive Jahreszins satte1.734 Prozent und bei Wonga gar sage und schreibe 4.214%!

Diese Wucherzinsen sind in Großbritannien legal möglich und das Angebot floriert trotzdem: Die o.g. und einige weitere Anbieter haben seit 2007 schon über 2 Milliarden Pfund verliehen.

Es gibt mehrere Gründe für die Beliebtheit dieses Kreditangebotes:

  • Keine großen Formalitäten
  • Auch wenn der Dispokredit bei der Hausbank ausgereizt ist, gibt es noch Geld
  • Die Bonität spielt keine Rolle, Hauptsache man hat ein Arbeitsverhältnis
  • Die Summen sind klein und können am nächsten Zahltag ausgeglichen werden
  • Der Kredit ist rund um die Uhr nur ein paar Mausklicks entfernt  

Wer im laufenden Monat ganz schnell eine Finanzlücke von z.B. 207 Pfund überbrücken muss, zahlt bei Wonga nach 20 Tagen 254,42 Pfund zurück. Überschaubare Beträge, wenn es tatsächlich bei einer kurzfristigen Geldaufnahme bleibt. Muss man aber verlängern, wird es gefährlich, denn der Zinssatz beträgt 360% p.a. (= 20% im Monat!), zusammen mit den Bearbeitungsgebühren entsteht dann ein effektiver Jahreszins im 4-stelligen Bereich.

Nun auch in Deutschland
Und dieses Kurzzeitkredit-Angebot gibt es jetzt auch in Deutschland. Die Anbieter nennen sich hier Cashper und Vexcash. Letzterer war als erster auf dem deutschen Markt und hat seit 2012 schon über 330.000 Kunden mit Minikrediten versorgt.

Die Konditionen sind ähnlich: Minikredite bis 600 Euro, Laufzeit bis 90 Tage, Auszahlung innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Cashper verspricht sogar 5 Minuten. Bestandskunden können sich teilweise sogar bis 1.000 bzw. 2.000 Euro leihen. Bei Vexcash kann die Laufzeit bis 180 Tage ausgedehnt und die Kreditsumme bis maximal 5.000 Euro erhöht werden.

Cashper verspricht, dass eine negative Schufaauskunft kein Problem ist und dass die Abwicklung und sogar die Identifizierung online erfolgen.

Ein auffälliger Unterschied zu den o.g. britischen Anbietern sind die Zinsen: Vexcash weist einen eff. Zahreszins von 12% aus, beim Hamburger Unternehmen Kredito sind es gar nur 0,5% Effektivzins im Monat, also 6% eff. p.a., was nun wirklich recht günstig wäre.

Der Haken liegt hier woanders: bei den Gebühren und beim sog. Bonitäts-Zertifikat. Letzteres muss man für 25 € (Vexcash) bzw. 29,90 € /49,90 € (je nach Kredithöhe bei Kredito) erwerben, um sich zu qualifizieren.

Doch rechnet man in die Kreditkosten nicht nur die Zinsen, sondern auch noch die Gebühren für das obligatorische Bonitätszertifikat mit ein, dann liegt man bei einem 400-Euro-Kredit mit 30-tägiger Laufzeit plötzlich bei 310% Effektivzins! Bei einem 300-Euro-Kredit und gleicher Laufzeit sind es dann schon 535%.

Im Gegensatz zu Großbritannien, wo die sog. Payday Lendor (Zahltag-Geldverleiher) kaum reguliert sind, kann man davon ausgehen, dass auf die deutschen Gerichte in Zukunft Arbeit zukommt. Denn wir haben hier die Preisangabenverordnung und die besagt, dass alle Kosten, die im Zusammenhang mit einer Kreditgewährung stehen, beim Effektivzins berücksichtigt werden müssen. Es wird also die Frage zu klären sein, ob diese „Bonitätszertifikate“ solche Kreditkosten sind.

Übrigens: Wenn die Gerichte die Bonitätszertifikate gar als Bearbeitungsgebühren verstehen, dann kann der Kunde die Kosten komplett zurückfordern, denn Bearbeitungsgebühren für die Bonitätsprüfung sind nicht zulässig (s. z.B. Az. 4 U 174/10 Pfälzisches Oberlandesgericht).

Zur Überbrückung von kurzzeitigen finanziellen Engpässen eignen sich nach wie vor sehr gut die Pfandhäuser, wo die Zinsen gesetzlich geregelt günstig und die Gebühren niedrig und einmalig sind.

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