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Etikettenschwindel


Spanien
1,657 Milliarden Euros – allerdings in Peseten – haben Spanier noch nicht in Euros getauscht, so der Banco de España, davon umgerechnet 855 Millionen Euro in Geldscheinen. Bis zum 31. Dezember 2020 können die alten Peseten noch in Euros bei der Nationalbank umgetauscht werden – Montag bis Freitag und nur morgens.

Nicht jeder wird umtauschen können oder wollen: Ab einem Gegenwert von 1.000 Euro muss man seinen Pass, den Personalausweis oder als Ausländer seine Residenzkarte vorlegen, und die Überweisung muss auf ein Bankkonto erfolgen. Wer nicht rechtzeitig umtauscht, kann sich seine wertlos gewordenen Banknoten als Tapete an die Wand hängen.

Schweiz
Die Nationalbank der Schweiz emittiert jetzt neue Banknoten und denkt über ähnliche Schritte nach. Milliarden von Schweizer Geldscheinen befinden sich in Banksafes und werden irgendwann für ungültig erklärt. Also muss man rechtzeitig zu seinem Schließfach reisen und damit rechnen, dass man die alten Scheine nur noch mit Abschlag eintauschen kann. Das soll der Ausgleich dafür sein, dass Geld auf Bankkonten mit Negativzinsen belastet wird. Und die Einzahlung auf ein Bankkonto wird im Rahmen des Automatischen Informationsaustausches ab 2017 an die Steuerbehörden des Wohnsitzlandes gemeldet.

DAX
Wenn ich mir ansehe, was angebliche Börsenexperten über die zukünftige Entwicklung des deutschen Börsenbarometers DAX zum Besten geben, macht es mir Freude: Ob nun Professor, Nobelpreisträger, Bankanalyst oder Vermögensverwalter, wir finden alle (möglichen) Voraussagen zwischen einer Baisse bis zu 5.000 Punkten und einer Hausse bis über 20.000 eben im gleichen DAX. Ganz abgesehen davon, dass es niemanden gibt, der für die Zukunft der Börsenkurse verlässliche Prognosen erteilen kann, sind solche gegensätzlichen Meinungen doch von Vorteil.

Nur dank der Verkäufe der oft Ängstlichen gibt es Liquidität für die Käufe der Optimisten. Dass der DAX langfristig steigt, dafür sorgt allerdings auch die Marketingabteilung der Deutsche Börse AG. Regelmäßig werden die 30 Top-Werte ausgetauscht. Lahme Enten werden aus dem Index entfernt, gute Performer aufgenommen. Und viele (börsengehandelte) Fonds „müssen“ dann diese Aufsteiger kaufen und lassen dadurch den Index weiter steigen.

Und noch drei weitere Punkte machen den DAX nahezu unschlagbar für Privatanleger und Fonds:
Die regelmäßigen „Umschichtungen“ erfolgen spesenfrei ohne Bank- und ohne Börsengebühren, Gewinnrealisierungen kommen brutto für netto (also ohne sonst anfallende Steuer), und schließlich werden alle Dividenden ebenfalls „steuerfrei“ investiert. Da kann keiner mithalten, auch nicht der beste Fonds!

Doch kommen Sie jetzt bitte nicht auf die Idee, bei Ihrer Bank ein DAX-Zertifikat zu kaufen. In der Regel sind Zertifikate nichts anderes als eine Geldleihe an die Bank. Diese kann letztlich mit dem Geld tun, was sie will, muss also nicht die 30 DAX-Aktien kaufen, betreibt somit eher Etikettenschwindel.

Und nicht zu vergessen: Mit Zertifikaten tragen Sie als Käufer das volle Emittentenrisiko und sehen im worst case Ihren Kapitaleinsatz nicht mehr wieder. Für Geld- und Kapitalanlagen braucht es also mehr Nachdenken und besser auch einen bankenunabhängigen Berater (wie zum Beispiel den „Geldbrief“).
Quelle: Hans-Peter Holbachs Finanzkolumne in „Der Mittelstand“

© Copyright: Roland Benn / BIG BENN BOOKS


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